Letzte Projekttage

Ich bin zum letzten Mal in Vidathaltivu.
Morgen kommt der UNDP Inspektor und Thushan will sicherstellen, dass alles vorzeigbar ist.
Ist es nicht.
Einer der Teilnehmer fängt schnell an Wasser in ein Fischbecken zu füllen, als er unser Auto um die Ecke biegen sieht. Das zweite Becken ist noch gar nicht fertig. Natürlich schiebt es der Eine auf den Anderen. Es ist manchmal selbst für Thushan schwierig zu verstehen was in den Köpfen der Leute hier vorgeht. (Daß sie tamil sprechen und wir immer auf einen Übersetzter angewiesen sind, hilft natürlich nicht.) Ich versuche immernoch herauszufinden, ob es das Phänomen der erlernten Hilflosigkeit auch auf Gesellschaftsebene gibt. Nach 300 Jahren Kolonialherrschaft und 30 Jahren Bürgerkrieg wäre es nicht verwunderlich wenn niemand mehr glaubt, daß das eigene Tun irgendetwas ändert (auf die buddhistische Weltanschauung kann ich es diesmal nicht schieben,das Dorf ist mehrheitlich christlich;-).
Wenn Ihr schlaue paper oder Bücher zu dieser These kennt: Immer her damit! 😉
Manche glauben wohl auch (noch) nicht so wirklich, daß man sich mit Fischzucht einen Erwerb aufbauen kann und manche haben halt mal hier geschrien und dann festgestellt, daß sie das wohl doch eher nicht schaffen.
Aber eigentlich kann ich darüber gerade gar nicht so klar nachdenken. Mein Hirn ist im Überhitzungsmodus. In Panadura hat es 30°C und 90% Luftfeuchtigkeit. In Vidathaltivu 33°C und 59% Luftfeuchte. Während in Panadura alles mit grünem Urwald überwuchert ist, gibt es hier wüstenähnliche Savanne. Nur in Häusernähe spenden ein paar größere Palmen Schatten, alles andere ist Buschwerk und fast blattlose niedrige Bäumchen. Oder Sand.
Es ist 15h und nichts regt sich.
Ich habe keine Ahnung wie Jogesh und der andere Kerl es gerade schaffen (per Hand!) Beton anzurühren. Meine Gliedmaßen fühlen sich an, als wären sie aus diesem. Zusätzlich bin ich so müde, daß ich befürchte gleich aus meinem Plastikgartenstuhl zu kippen. Ich hätte sooo gerne eine eiskalte Cola! Aber es gibt im ganzen Dorf keinen Supermarkt und Markenprodukte kauft hier sowieso keiner.

Später: Wir haben gerade das erste Produkt, das die Nähgruppe als Auftrag ausgeführt hat abgeholt: Stofftaschen für das Turtle conservation project. Mit Design von Lore und mir (und Juju hat auch unterstützt!;-). Das orangene ist schon das nächste Projekt: Landestypische Nachthemden mit Batikmuster.

Die engagierten Frauen haben sogar zusammengelegt und für 2 der mit Fußpedal betriebenen Nähmaschinen einen Elektromotor gekauft. Ich wußte gar nicht, daß man Nähmaschinen so umwandeln kann!
Als nächstes geht es zum Gemeinschaftshaus des Dorfes, in dem der UNDP-Mensch die Teilnehmer treffen und eine kleine Präsentation über das Projekt bekommen wird. Hier wird jetzt gekehrt und der Müll davor aufgesammelt. Die Schwimmwesten werden sortiert, die schon für den dritten Teil des “alternativer Lebensunterhalt Programms”, hier lagern. In diesem Teil sollen Dorfbewohner zu Touristenführer ausgebildet werden und dann einheimischen und ausländischen Urlaubern die Schönheit und Besonderheit der umgebenden Mangrovenwälder, Seegraswiesen und Korallenriffe zeigen anstatt sie für kurzen Profit zu zerstören.
Dieser Teil des Programms befindet sich noch in der Teilnehmerfindungsphase. Ein Weg Interessierte über das Angebot zu informieren ist übringens der Lautsprecher der Kirche. Nach der Sonntagsmesse wird die Info einfach über’s Kirchengelände geplärrt 😉

One thought on “Letzte Projekttage

  1. Hi, anja, Thanks once again for your insights. Your project looks really great (the bags, I mean). Too bad the people respond less than ideally. Your comment about 300 years of foreign rule plus civil war has also been applied to the Greek reality – I haven’t researched the issue, so I really can’t answer. You’ve had quite an experience! Filakia, Joanne Joanne Stournara

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