Für Buddhisten ist leben leiden. Die Blumen, die auf den Altären der buddhistischen Tempel dargeboten werden, sind ein Symbol dafür, dass alles, was gerade noch schön und kraftvoll war, im nächsten Moment verbraucht und tot sein kann. Das Steuerrad des Lebens hält nie Kurs auf Glück, Reichtum, Gesundheit und soziale Anerkennung. Es dreht sich ständig auf die entgegengesetzten Pole.

Die Geburt eines Kindes ist damit kein Grund zur Freude, sondern zur Trauer. Trauer darüber was diesem Lebewesen bevorsteht und darüber, dass es (schonwieder) nicht seinen Weg ins Nirwana gefunden hat. Denn das ist die einzige Erlösung aus dem Leid: Das Nirvana.
Dorthin zu gelangen ist nicht einfach und dauert ein paar Leben. Aber es hilft, wenn man den 5 (Haupt-) Regeln folgt:
1) Du sollst nicht töten (auch keine Tiere)
2) Du sollst nicht stehlen
3) Du sollst nicht lügen
4) Du sollst Dein Bewußtsein nicht vernebeln (sprich kein Alkohol oder Drogen)
5) Du sollst Deine Sinne (also sehen, hören, schmecken, riechen, tasten) nicht übermäßig bespaßen. Und schon gar nicht alle auf einmal. (Sex ist damit raus)
Die ersten drei Regeln kommen einem dann doch sehr bekannt vor. Warum jetzt das mit den Sinnen? Das hat damit zu tun, dass sie oft der Ausgangspunkt für Wünsche, Begehrlichkeiten und Verlangen sind. Sie möchten befriedigt werden und sind damit laut Buddhismus die Ursache allen Leidens. Weil eben Wünsche, Begehrlichkeiten und Verlangen am Anfang von allem was schlecht läuft stehen. Nun, man kann nachvollziehen und jeden Tag in der Welt beobachten, dass Habsucht und Gier (nach Geld, Macht, Status) zu unsäglichem Leid führen.
Der Teil, der für Europäer härter zu schlucken ist, ist, dass auch Träume, Erwartungen und Zukunftsplanung zu den Leid auslösenden Begehrlichkeiten gezählt werden. Diese Dinge sind im Westen doch sehr positiv besetzt. Und noch viel mehr sind es emotionale Bindungen zu Menschen, Tieren und Dingen. Doch Träume platzen, Erwartungen werden enttäuscht, Zukunftspläne zerstört. Und Lebewesen zu denen man eine tiefe Bindung aufgebaut hat, werden krank und sterben. (Oder sie mutieren zu Idioten.) All diese Dinge sind damit Quell unendlichen Leidens. Man muß sich von ihnen lossagen um das Leid zu beenden.
Und da wir das Leben nunmal ausschließlich über unsere Sinne wahrnehmen, fängt man sozusagen in der Anfängerversion hier mal mit dem Lossagen an.
So hat mir Thushan z.B. erzählt, dass er versucht keine Erwartungen an seine täglichen Mahlzeiten zu haben und diese einfach als notwendige Handlung zum Überleben zu sehen. Frei nach dem Motto „es wird gegessen was auf den Tisch kommt“.
Jetzt bin ich ja durchaus der Meinung, dass ein bißchen dieser Einstellung so einigen verwöhnten deutschen Luxusgören sehr gut tun würde. Aber hier war meine erste Reaktion dann doch: „Wie traurig!“.
Es hat mir aber einiges über die Esskultur in Sri Lanka erklärt. Zuerst dachte ich, dass das Essen mit der (rechten!) Hand ein stundenlanges, gesellschaftliches Tafeln unpraktisch macht. Denn auch wenn es dem geschmacklichen Erlebnis noch eine haptische Komponente hinzufügt, sind längere Pausen unbequem und sofort nach dem letzten Bissen kommt die Frage auf: „Wo kann ich Hände waschen?“
Vielleicht spielt das auch mit rein, auf jeden Fall wird hier keine große Zeit für Essen verschwendet. Es ist auch kein gesellschaftliches Ereignis. Das Mittagessen der Familie steht irgendwann ab 12h (abgedeckt) auf dem Tisch und jeder nimmt sich wann er Lust hat, manchmal sogar im Stehen (wichtig ist nur, daß die Bediensteten nicht VOR der Familie essen. Ob das auch für Gäste gilt, habe ich noch nicht heraus bekommen). Genauso läuft es mit dem Abendessen. Entsprechend machen sich auch Restaurants keine Mühe mit Gemütlichkeit oder übermäßiger Sauberkeit. Das Essen ist zwar gut, gesund und verwendet durchaus ein Menge an Gemüse und Gewürzen aber irgendwie bleibt das Prinzip immer das gleiche: Ein Berg Reis in die Mitte und dann diverse „Currys“ (also Fleisch, Fisch, Soya, Kartoffeln, Ladyfinger oder andere Gemüse in Soße) drumherum. Und manchmal ist alles so scharf gewürzt, dass es sowieso gleich schmeckt (das mag jetzt aber nur mein europäischer Gaumen so empfinden). Es gibt keinen erkennbaren Unterschied zwischen Frühstück, Mittag- und Abendessen und wenn man die Bäckereien sieht, möchte man weinen. (Okay, noch etwas, was vielleicht nur MIR so geht😉
Naja, Ihr könnt Euch vorstellen, wie der erste Kulturschock eintrat, als Thushan sagte „wir gehen noch einen Kaffee trinken“ und ich das griechische, mindestens 1h dauernde, mit viel Süßigkeiten, Gelächter und Geläster bestückte „lets go for a coffee!“ im Kopf hatte!
(Da haben wir’s: Erwartungen als Quell von Enttäuschung. Quod erat demonstrandum!)






























