So. Fuer alle, die nur die deutschen Beitraege lesen: Mein Laptop hat nun endgueltig das Zeitliche gesegnet. Zum Glueck konnte der Technik-Mensch der Insel meine Daten vorher noch sichern. (Daniela hat die Festplatte gesponsort).
Die Eintraege sind also den Geschehnissen etwas hinterher.
Gabriele, der Fernsehkoch, der das Rescue Center vor ein paar Tagen besucht hatte, kam nach seinem Einsatz auf der “open arms” nocheinmal auf einen Kaffee vorbei. (Er war wohl tatsaechlich mit Richard Gere da draussen! Ich hab ihn aber nicht nach Details gefragt 😉
Wie wir uns so ueber seine Aktionen mit Fluechtlingen und unsere Schildkroetenarbeit unterhalten, stellen wir fest, dass sich unsere Berichte doch ziemlich aehneln. Und auch die persoenlichen Erfahrungen. Dass man z.B. trotz besseren Wissens immernoch geschockt ist, mit welchem Hass und welcher Aggression Leute auf einen persoenlich reagieren wenn man ihre Bequemlichkeit bedroht oder ihren moralischen Kompass in Frage stellt.
Zugegebenermassen punktet “suesse Schildkroeten retten” im Moment bei den Leuten besser als “nicht so suesse, psychologisch komplexe Menschen retten”. Somit kommen Morddrohungen auf offener Strasse, wie sie Gabriele zuhauf erhalten hat, im europaeischen Naturschutz zwar vor, sind aber nicht (mehr) so haeufig. Wahrscheinlich weil sich der Aerger nicht so gut auf eine einzelne Person konzentrieren kann. Wir haben den Eindruck, dass es generell eher irrelevant ist, ob man sehr direkt und in derber Sprache sagt, wie die Dinge liegen (was ein Markenzeichen von Gabriele zu sein scheint) oder ob man versucht diplomatisch / empathisch zu formulieren (wie es die meisten Naturschutzorganisationen tun). Die Reaktionen auf beides sprengen immer den eigenen Vorstellungsrahmen fuer Unhoeflichkeit und Respektlosigkeit (Besonders in sozialen Medien aber auch im persoenlichen Kontakt). Und den fuer moegliche (Verleumdungs-) Geschichten mit denen Leute um die Ecke kommen koennen. Und den fuer WAS Menschen alles als Wahrheit schlucken und weitergeben koennen.
Waehrend also in Amvrakikos die Regierung Schildkroeten aus Flugzeugen in die Bucht werfen laesst, nur um die Anwohner zu aergern, kam Richard Gere nur nach Lampedusa um beruehmt zu werden. Darueber hinaus bekommen sowohl Gabriele, als auch Daniela, als auch Archelon ganz offensichtlich Unmengen an Geld von der EU um zu tun was sie tun (Was natuerlich der einzige Grund ist warum sie es tun)!
In der Realitaet profitieren in Lampedusa die Bewohner sowohl von den Schildkroeten als auch von den Fluchtingen auf sehr konkrete finanzielle Weise (um beides hat sich ein ziemliches Geschaeft entwickelt). Bei beiden wird dieser Fakt geflissentlich uebersehen wenn es darum geht jetzt auch einmal Zugestaendnisse machen zu muessen.
Wenn man kopfschuettelnd und entsetzt genug Geschichten ausgetauscht hat, bleibt einem irgendwann dann nichts mehr anderes uebrig, als alles mit (Galgen-)Humor zu nehmen (zur Not unter Zuhilfenahme einiger Flaschen Wein, Bier oder Grappa). Und so haben die Idioten dieser Welt am Ende dieses Nachmittags doch fuer einige Lacher gesorgt und Menschen zusammengebracht, die sonst nicht viel miteinander zu tun gehabt haetten.




















