Elefanten

Einem Tipp einer Freundin, aufgetauchter Finanzierung oder einer plötzlichen Eingebung -wer weiß das bei ihm schon so genau?- folgend, hat Thushan beschloßen sich mal den Mensch-Elefanten-Konflikt im Landesinneren anzuschauen.
Der asiatische Elefant war in Sri Lanka mal weit verbreitet. Sein Lebensraum ist aber mittlerweile auf die tropischen Trockenzonen im Tiefland geschrumpft und er ist vom Aussterben bedroht. Das Problem mit den Gegenden mit Elefantenvorkommen ist, dass sie nicht (mehr) zusammenhängen. Elefanten sind “migratory species” wandern also so wie Vögel und Meeresschildkröten (nur etwas kürzer). Das macht Sinn wenn man sich überlegt, dass ein einzelnes Tier bis zu 150kg (Pflanzen)futter am Tag in sich rein stopft. Da wär schnell nix mehr da wenn es immer am gleichen Platz bleiben würde (noch dazu in der Trockenzone). Die Wanderrouten werden aber immer mehr durch Siedlungen, Felder und Autobahnen unterbrochen. Die Planer der (durchaus zahlreichen aber oft eher kleinen) Naturschutzgebiete haben leider nicht darauf geachtet, Korridore zwischen diesen Gebieten zu bilden oder die Wanderbewegungen z.B. bei der Straßenplanung mit einzubeziehen (Es gibt Wildtunnel auch für Elefanten). Und so kam es in Sri Lanka auch 2018 zu vielen Mensch-Tier-Konflikten, die in 311 toten Elefanten und 95 toten Menschen resultierten.
Die von Thushan auserkorene Gegend Wellawaye, ist eine solche Konfliktzone außerhalb eines Nationalparks.
Dort angekommen, haben wir mehr oder weniger durch Zufall bei einer Teepause gleich einen kleinen Querschnitt durch die Gesellschaft am Kiosktisch versammelt gefunden (Ein Lokalpolitiker, ein Verwaltungsbeamter, ein Schulleiter, ein Lehrer, der Ladenbesitzer und der Herr, der hier so mit seiner Machete herumfuchtelt ist Landwirt).

Nach Thushans Aussage (die Gespräche fanden leider in singhalesisch statt), waren alle Beteiligten bereits nach einer halben Stunde an einer Zusammenarbeit zur Lösung der Probleme (im Sinne von Mensch UND Elefanten) interessiert. Ich kann mir das nach all meinen Erfahrungen mit griechischen Fischern, Hafenpolizisten und Badenden, deutschen Bauern, Gartenbesitzern und Städtern irgendwie nur schwer vorstellen. Aber warten wir ab.
Nach der Teerunde haben wir uns ein paar Elefantenschäden angeschaut.
Hier hat ein Elefant eine Kokospalme (ziiiemlich nah am Haus) umgeworfen um an die frischen Blattstengel zu kommen.

Hier hat sich ein anderer an der Hälfte eines heiligen Bodhibaumes in einem Tempel gütlich getan. Und die Buddhastatuen fand er wohl auch nicht so hübsch.

Wenn man sich dann allerdings mehr oder weniger einfach mal umdreht, sieht man das:

Hier wurde weiterer “trockener Immergrünwald” (Vorsicht, Klugscheißeralarm) gerodet um eine Plantage zur Gummigewinnung aufzubauen. Wieder weniger Platz zum Ausweichen für die Elefanten!

Die Lösungsansätze für “Problemelefanten” (also eigentlich alle) zeigen den Mensch übringens malwieder von seiner “besten” Seite. Es werden unter anderem Kürbisse mit aktiviertem Sprengstoff gefüllt und für die Elefanten ausgelegt!

Anuradhapura II

My trip to the ancient city of kings included less kingly WiFi connection and when I arrived back in Panadura, the datavolume for this month had come to an end. So this entry is a bit behind but as it was already written, I might as well post it 😉
As on Friday, I got on my tiny bicycle in the morning and went to explore the rest of the 40 km² of ancient Anuradhapura.
Starting with the remains of Jetavana Vihara monastery.
The cupola you can see here, used to be the highest Dagoba of the country. (115m. Today it is 71m)

A Dagoba or Stupa covers some holy relics (clothes or bodyparts) of an important monk or even Buddha himself (It is said that his body relics were divided into 84 000 pieces ;-). The relics are immured into the solid stone construction, so you can’t go inside and see them.
Attached to the Dagoba there are usually altars in various sizes, one in each cardinal direction. Often one is bigger and has a Buddha statue in it.

The dagoba stands on a big stone-paved square. This fact turns into a problem once the sun is high, as the whole temple area must be entered barefoot only. So basically your dagoba-visit comes to a pause after 12 o’clock unless you want to have hot-stone-barbecue-feet.
So I had a rest with the monkeys 😉


Anuradhapura

Nach mehreren Tagen ohne funktionsfaehiges WiFi, habe ich gerade ein paar freie Stunden im Cafe (mit WiFi). Naja, um ehrlich zu sein, ich habe meinen heutigen sightseeing-trip auf die Nachmittags-/Abendstunden verschoben und mich in einen klimatisierten Raum gefluechtet.
Ich bin mir sicher, dass ich in den letzten 2 Tagen hier, in der einstigen Koenigsstadt von Anuradhapura, immer knapp an einem Sonnenstich vorbeigeschrammt bin.
Anuradhapura ist ein Touri-Muß. Es liegt im Landesinneren und war von c.a. 300 v.Chr. bis 1011 n.Chr. die Hauptstadt eines grossen (singhalesischen) Koenigsreichs.
Danach hat der Urwald die Herrschaft uebernommen.
In den Museen sind Bilder ausgestellt, wie die Gegend aussah bevor die Englaender die Stadt wiederentdeckten und zusammen mit srilankischen Moenchen u. Kulturexperten freilegten und restaurierten.
Ueberdauert haben allerdings nur die religioesen Bauten, da diese meist die Einzigen waren, die damals aus Stein gebaut wurden.
Fuer den heutigen Standardtouristen vielleicht ganz gut, denn das Gelaende umfasst allein mit ihnen schon 40 Quadratkilometer.
Das stellt selbst den groessten Wander + Kulturfan vor Herausforderungen! Deshalb hatte mir mein Hotel ein srilankisches Damenfahrrad geliehen.

Und so bin ich am Freitagmorgen wie der Aff’ auf’m Schleifstein losgeklappert.
Eigentlich wollte ich am archaeologischen Museum starten aber ich habe mich natuerlich verfahren und bin stattdessen als Erstes am heiligen Bodhibaum (Ficus religiosa) gestrandet. (Zu meiner Verteidigung: Die ganzen polizeilichen Strassensperren machten die Orientierung nicht einfacher!)
Der Bodhibaum in Anuradhapura ist ein direkter Ableger des Bodhis unter dem Buddha zur Erleuchtung gelangt sein soll. Er gilt als aeltester Baum Asiens.
Kein Wunder, dass er sich so gut haelt, bei der guten Pflege, die ihm zuteil wird!
Seine zu tief haengenden Aeste werden sogar mit Goldpfosten abgestuetzt!


Neben den kulturellen Erfreulichkeiten hatte ich in den letzten Tagen auch noch nette Begegnungen menschlicher Art.

Diese huebsche Dame hat mich angesprochen und gefragt wie mir Sri Lanka gefalle und ob sie mir die Blume schenken duerfe, die sie auf diesem Foto in der Hand haelt.
Als ich von einer Pause am Rand einer der Staubecken zurueckgelaufen bin, haben mich diese beiden Herren herangewinkt:

Sie haben mir eine dieser Fruechte (ich habe immernoch keine Ahnung was das ist) aufgehackt, mir gezeigt wie man sie ausloeffelt und sich dann per Gebaerdensprache zu diesem Foto ueberreden lassen.
Im Jeavana Museum bin ich mit einer Mitarbeiterin ins Gespraech gekommen, die mich dann spontan zum Abendessen eingeladen hat. Und auf der Weiterreise hat mir ein Ehepaar erklaert, dass meine geplante Busroute viel zu umstaendlich und unbequem ist. Sie haben mich bei ihrem eigenen Busstop mit aus dem Bus genommen, mich per TukTuk zu der Fernbushaltestelle gefahren und mich in einen klimatisierten Expressbus gesetzt.
Es gibt sie, die einfach – nur – netten Menschen!
Damit wuensche ich Euch einen guten Start in die neue Woche!

Project days

After 7 hours of drive, as many checkpoints and 1 CD in the player, we arrived in Vidattaltivu, a small fishing village in the North of Sri Lanka.
“We” that is Thushan, his new secretary, a friend of his and me.
Vidattaltivu is, where the recent Turtle Conservation Project (TCP)- project is located. The small village has a lagoon on one side, with mangrove-forrests surrounding it and the ocean with a coral reef on the other side.
It was greatly affected by the war, as the Tamil Tigers had one of their hideouts here. One still can see destroyed and abandoned houses between the barrack-like new settlements with a program sign on them.

The income of the village mainly depends on fishing, but, like in many other places, the number of fish they catch, is declining with every year. Big industrial trawlers from India and China destroy huge areas of sea grass meadows in the area and all the life that is in them. (Illegally of course but what is a small country like Sri Lanka going to say against India and China?!)
The local fishermen themselves contribute to overfishing by unsustainable fishing practices. In order to maximize the catch and minimize the effort, they have turned to dynamite fishing in the coral reef. This led to the destruction of considerable parts of the latter.
In search for other income sources, the villagers also started cutting down the mangrove trees.
In order to stop those harmful activities, one first has to -much like with the turtle poaching- offer people alternative livelihoods.
So, like in the project you might have seen on the BBC documentary (earlier blog entry), the Turtle Conservation Project is funded by the UNDP* to introduce ornamental fish breeding, tailoring and eco tourism in the area**
So driving north, we had 4 bags of Thushans Platy-offspring in the back of the car, to be raised in newly built tanks.
Well, almost built. The guy who had the order to construct the ca. 2 x 1.5m concrete squares hadn’t been too enthusiastic about his job. He only finished the last tank after Thushan told him there would be no more cooperation if the fish won’t swim in the right number of tanks before we leave.
After placing the remaining fish in the existing tanks and checking on the progress of the already ongoing upbringing, we got invited for the obligatory tea.
Later that evening, I had a quite insightful talk with the secretary girl, but that’s another entry.
Today we did quite a lot of sitting around (with or without tea). The other two girls went to help the ladies of the village with the tailoring order TCP had for them (Cotton bags). Thushan and me were supposed to meet the “father” (=priest) of the christian community, to discuss potential beneficiaries for the eco tourism training. But as it is often the case with people who consider themselves high in hierarchy, this guy didn’t feel the need to stick to the appointment and went to the hairdresser instead.
So over the second bottle of cold Sprite, Thushan used the free time to tell me off about my intended trip to an elephant sanctuary.
On my way back from Rekawa last week, I had met a couple who was doing some promotional filming. They told me that they were normally working for an elephant conservation project. As we kept talking (I had already seen some poor creatures tied solitary in the back of a temple, stereotyping away) we discovered that the 2 of them had been working for the TCP too. They knew Thushan -of whom they spoke kindly- for quite a while. The guy gave me his card and they invited me to come and visit the elephant sanctuary.
When back in Panadura, I told Thushan about this funny coincident. He indeed knew them both but made immediately clear, that he isn’t friends with the guy anymore.
As I didn’t care too much about the guy but about seeing an elephant project, I decided to write an Email anyway and ask about the whereabouts of the place and an opportunity to visit. Although I didn’t get an answer yet and therefor haven’t arranged anything so far, this action alone apparently was a quite disrespectful thing to do as a guest.
In the Sri Lankan understanding of hospitality, the guest owes the host loyalty. So if the host tells the guest he/she doesn’t like someone, the guest is supposed to abandon any further unnecessary contact with this person.
Well, you know how I love having to ask for permission ,-)
There you go: Culture clash at its finest ,-)

* United Nations Development Programme
**for more information about the project see here: http://www.sltcp.org/dugong-project-with-tcp/

Die Sache mit dem Buddhismus I

Ich bin hier angekommen mit zugegebenermaßen nahezu null Ahnung von der Religion des Landes. Was man halt so weiß als Tourist: Karma, Wiedergeburt, Schultern bedeckt, respektvolles Verhalten und keine Selfies mit Buddha. Und irgendwie war da noch was mit Begierden als Quell allen Leidens, Leidenschaftslosigkeit als Ziel und die naive Hoffnung dass Buddhismus “besser” und “reflektierter” und ja, friedlicher als andere Religionen sei.
Den Rest sollte mir dann Thushan erklären. Der hatte mir geschrieben, daß er auch buddhistischer Lehrer sei und versprochen, mir, wenn ich möchte, Meditation und einen anderen Blickwinkel auf das Leben zu zeigen. Nicht schlecht, dachte ich mir, schlimmer kann’s ja nicht werden.
Das mit der Meditation ist bisher nichts geworden aber ich bekam bereits auf der Fahrt vom Flughafen einen Einblick in die Alltagsumsetzung des buddhistischen Glaubens.
Die Theorie der Reinkarnation in Form der Wiederverfestigung von (Lebens)Energie, Karma oder sowas wie Seele in einem anderen Lebewesen nach dem Tod war mir bekannt. Und auch, daß es sowas wie eine “Wiedergeburtsleiter” gibt, je nachdem wieviel gutes Karma man vor seinem Tod gesammelt hatte.
Eine Logik, die sich daraus ableitet, hatte ich allerdings nicht auf dem Schirm: Wenn Du für gute Taten und ein tugendhaftes Leben in diesem Leben mit guten Bedingungen (Reichtum, Gesundheit, soziale Anerkennung) im nächsten Leben belohnt wirst, heißt dies im Umkehrschluß: Wenn es Dir gerade schlecht geht, Du krank bist oder anderweitig leidest, mußt Du in Deinem letzten Leben etwas falsch gemacht haben (nicht falsch genug um als Ameise wiedergeboren zu werden, aber immerhin ;-). Dies wiederum bedeutet: Du bist an Deiner Misere selbst schuld.
Diesen “Tun-Ergehen-Zusammenhang”, die Strafe für Missetaten durch Leid, findet man auch immernoch in der christlichen Religion, dem Judentum und ich schätze auch im Islam.
Im Buddhismus (und Hinduismus) kommt dazu, daß Du eventuell wegen Taten leidest, an die Du Dich noch nichteinmal erinnern kannst.
In allen Fällen wird zu dem bestehenden physischen oder psychischen Leid der Betroffenen damit auch noch ein latentes Schuldgefühl obendraufgepackt.
(Und dieses “Falschgewesensein” als Ursache wird auch schon Kindern kommuniziert)
Die Annahme, man habe seine Probleme “verdient” ist einer schnellen Genesung sicher nicht zuträglich.
Auch bremst sie wahrscheinlich in vielen Fällen die Initiative, die eigenen Lebensumstände aktiv zum Besseren zu verändern.
Allerdings gibt dieser Glauben den Buddhisten zumindest keine Entschuldigung sich nicht um das Leid Anderer kümmern zu müßen (Nach dem Motto “Selbst Schuld!”, wie das bei den Christen praktiziert wird). Denn schließlich ist Dein eigenes nächstes Leben davon abhängig, wie Du ALLE Deine Mitmenschen behandelst.
Und so liegt Sri Lanka, trotz seines geringen Wohlstandes, im World Giving Index* von 2013-2017 auf Platz 10 (Deutschland hat Platz 19).

*World Giving Index: Statistik wie hilfsbereit verschiedene Länder in den Kategorien “Einem Fremden Hilfe geleistet”, “Geld gespendet” und “helfendes Ehrenamt” sind. Der 2018 Report ist hier einzusehen, genanntes Ranking auf S.12 :https://www.cafonline.org/docs/default-source/about-us-publications/caf_wgi2018_report_webnopw_2379a_261018.pdf